Green World ebenfalls im Visier der „Foreign Agent“-Verfolgung

Es gibt Anzeichen, dass eine weitere Gruppe, mit der wir seit vielen Jahren zusammen arbeiten, die Organisation „Green World“ aus Sosnovy Bor/St. Petersburg, als „Foreign Agent“ verfolgt werden soll.1 Prominenter Vertreter der Gruppe ist Oleg Bodrov, ein Experte zu den ökologischen Auswirkungen von Atom- und anderen Industrien auf die Ostseeregion. 2010 war er einer Sprecher in der St. Petersburger Pressekonferenz der Anti-Atom „Baltic Sea Info Tour“. Von seiner Gruppe kamen auch immer wieder Beiträge zu atompolitischen Problemen in der Region.

Green World hat seinen Sitz in Sosnovy Bor, 40 Kilometer westlich von der Stadtgrenze St. Petersburgs. Sosnovy Bor ist der Standort des „Leningrad AKW“, atomarer U-Boote und großer Mengen radioaktiver Abfälle einschließlich abgebrannten Kernbrennstoffs. Früher war der Ort ein geschlossenes Atomareal, wurde aber 2013 zumindest für russische Bürger*innen geöffnet.2

Bereits Mitte August 2013 hatte es – nach den flächendeckenden staatsanwaltschaftlichen NGO-Untersuchungen im März desselben Jahres – eine zweite Inspektion von Green World im Kontext der Foreign Agent-Gesetzgebung gegeben. Diesmal jedoch angefordert durch die Firma „Ecomet-S“, die radioaktive Metalle aus dem europäischen Teil Russlands sammelt, reinigt und zu neuen Metallprodukten verschmilzt, die ungekennzeichnet vermarktet werden. Green World hatte die illegalen Aktivitäten der Firma – diese hatte den Betrieb rechtswidrig ohne Umweltverträglichkeitsprüfung gestartet – mehrfach öffentlich in russischen und internationalen Medien angeprangert.2

Informationen aus der Stadt-Administration Sosnovy Bor zufolge ging dort Anfang Februar ein Brief des Justizministeriums der Russischen Föderation, Büro St. Petersburg, ein, mit dem eine Untersuchung der „politischen Aktivität“ von Green World gestartet wurde. Die Administration solle Informationen zu diesem Thema bereitstellen. Zuvor hatte ein Kollege der Organisation „Za Prirodu“ aus Chelyabinsk Green World informiert, dass das Ministerium eine untermininerte Inspektion ihrer Gruppe begonnen habe. 2014 hatten die Gruppen gemeinsame Aktivitäten zum Rückbau von Atomkraftwerken unternommen und vermuten nun, dass die synchrone Inspektion beider Organisationen Resultat dieser Tätigkeiten ist, und dass sie als „Foreign Agents“ klassifiziert werden sollen.2

  1. E-Mail von Oleg Bodrov vom 3. Februar 2015 [zurück]
  2. http://naturvernforbundet.no/getfile.php/Bilder/International%20projects/Publications/2014feb-Russland%20NGO-rapport.pdf – gesichtet 15. Februar 2015 [zurück]